Zum Inhalt springen
Startseite » Fußball-Schauen erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Tod – unter einer bestimmten Voraussetzung

Fußball-Schauen erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Tod – unter einer bestimmten Voraussetzung

„Ich hab mein Herz an den Fußball verloren!“ Dieser Aussage würden sicherlich zahlreiche Fußball-Fans weltweit zustimmen. Aber dieser Satz erlangt vor dem Hintergrund der Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2020 eine sehr viel weitreichendere Bedeutung, als es Fußball-Fanatikern lieb sein dürfte. Und anlässlich der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland gerät eben diese Studie erneut ins Visier.

Fußball-Europa in Daten repräsentiert

Die Forscher analysierten, wie häufig Fußball-Schauen am Bildschirm bei größeren Turnieren bei Fans zu unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt führt. Das aufrüttelnde Ergebnis des systematischen Reviews und der Meta-Analyse von 19 anderen Studien zu dem Thema: Ja, das Anschauen von Fußballspielen erhöht sowohl das Risiko, an einer akuten Herzkreislauf-Erkrankung zu sterben, als auch die Wahrscheinlichkeit, wegen des Herzens ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Drei der ausgewerteten Studien kamen dabei aus Deutschland, drei aus der Schweiz, zwei jeweils aus England, Frankreich und den Niederlanden und jeweils eine aus Portugal und Italien. Die relevanten europäischen Fußball-Nationen waren also durchaus repräsentiert.

Verliert die „eigene“ Mannschaft, verliert das Herz

Besonders schmerzhaft: Das Risiko eines Herzkreislauf-Todes war besonders hoch, wenn die eigene Mannschaft das Match verloren hatte – in diesem Fall stieg es um 19%! Gewann das eigene Team, sank die Todeswahrscheinlichkeit der Fans um 12%.

Die Pathophysiologie des Zusammenhangs zwischen akutem Stress und Herzkreislauf-Problemen ist bekannt: Stress führt zu einer Stimulation des sympathischen Nervensystems (ursprünglich von der Evolution gedacht als Fluchtreaktion) und der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. Dadurch steigen Herzfrequenz und Blutdruck, und es kommt zu einer endothelialen Dysfunktion, Thrombozytenaktivierung, Rhythmusstörung und mikrovaskulärer Dysfunktion.

„No pressure“, aber Fußballer wie Neuer, Kroos, Rüdiger & Co. sollten sich vielleicht bewusst sein, dass ihre Performance auf dem Platz eine direkte Auswirkung auf die Gesundheit der Fans hat – im Positiven wie im Negativen. Und für alle Fans gilt: Einfach nicht zu sehr aufregen, egal was auf dem Platz passiert – auch wenn’s schwerfällt.

Quelle: Wang H et al. Associations of cardiovascular disease morbidity and mortality in the populations watching major football tournaments. A systematic review and meta-analysis of observational studies. Medicine 2020;99:12(e19534).

365med by 21up