Chronischer Hypertonus, also ein dauerhaft zu hoher Bluthochdruck, hat zahlreiche negative gesundheitliche Auswirkungen – so weit so bekannt. Da Menschen mit Typ-2-Diabetes ein zusätzlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweisen, könnte eine rigide Blutdruckeinstellung für sie besonders wichtig sein. Ob eine Blutdrucksenkung bei Diabetikern auf unter 120 mmHg systolisch sinnvoll ist, untersuchte nun eine groß angelegte Studie, deren Ergebnisse kürzlich im New England Journal of Medicine veröffnetlicht wurden.
21% weniger kardiovaskuläre Zwischenfälle
Es wurden über 12.000 Typ-2-Diabetiker mit Hypertonus in die Studie eingeschlossen und für fünf Jahre beobachtet. In Gruppe 1 strebte man eine Blutdrucksenkung auf 140 mmHg systolisch an, in Gruppe 2 wurde mittels intensiverer Therapie ein Druck von unter 120 mmHg systolisch angepeilt. Nach einem Follow-up von einem Jahr lag der durchschnittliche Blutdruck in Gruppe 1 bei 133,2 mmHg und in Gruppe 2 bei 121,6 mmHg. Der Unterschied bezüglich nicht-tödlicher Schlaganfälle und Herzinfarkte, Krankenhausbehandlungen wegen Herzinsuffizienz oder Tod kardiovaskulärer Ursache (zusammengesetzter primärer Endpunkt) war immens: Durch die rigorose Blutdruckeinstellung konnte das Risiko für den primären Endpunkt um 21 % gesenkt werden (Hazard Ratio 0,79; 95%-KI 0,69 – 0,90; p<0,001). Im Durchschnitt waren dazu in der Standard-Behandlungsgruppe zwischen 1,3 und 1,5 Antihypertensiva notwendig, in der Intensiv-Behandlungsgruppe waren es zwischen 2,0 und 2,2.
The lower the better – aber nicht in jedem Alter
„The lower the better“ kennt mal als Prinzip in der Hypertensiologie ja schon lange. Dass das Senken des Blutdruckes auf unter 120 mmHg systolisch aber einen solch großen Effekt auf das kardiovaskuläre Risiko hat, wurde nun sehr deutlich speziell für Diabetiker gezeigt. Erwähnen sollte man aber auch, dass eine sehr strenge Blutdruckeinstellung auch negative Auswirkungen wie Müdigkeit, Synkopen oder Nebenwirkungen durch die dafür notwendigen Medikamente haben kann. In dieser Studie war es allerdings nicht zu mehr Stürzen mit Verletzungen oder Synkopen gekommen. Es ist also – wie eigentlich immer – eine gute Abwägung gefragt, wenn es um das Ziel der antihypertensiven Therapie geht. Einen besonders wichtigen Aspekt erkennt man, wenn man tief in die Subgruppen-Auswertungen der Studie blickt: In der Gruppe der Über-80-Jährigen zeigte sich kein signifikanter Unterschied.
Quelle: Bi Y et al. Intensive Blood-Pressure Control in Patients with Type 2 Diabetes. N Engl J Med 2025; 392: 1155-67