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Wenn Fußball aufs Herz geht

Warum große Turniere wie die WM zu einem Gesundheitsrisiko werden können

Die Vorfreude auf die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 wächst weltweit. Milliarden Zuschauer werden die Spiele verfolgen, Fan-Zonen füllen sich, Marken starten globale Kampagnen und die mediale Aufmerksamkeit erreicht schon Monate vor dem Anpfiff ihren Höhepunkt. Doch während die Fußballwelt vor allem über Favoriten, Sponsoren und wirtschaftliche Effekte spricht, rückt ein anderer Aspekt zunehmend in den Fokus der Medizin: Große Fußballturniere können nachweislich das Risiko für akute Herz-Kreislauf-Ereignisse erhöhen.

Besonders bekannt wurde eine Studie des New England Journal of Medicine zur WM 2006 in Deutschland. Die Forscher stellten fest, dass sich das Risiko für Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen und andere akute kardiovaskuläre Notfälle an Spieltagen der deutschen Nationalmannschaft um das 2,66-Fache erhöhte. Betroffen waren vor allem Männer und Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen. Ausschlaggebend war dabei nicht körperliche Aktivität, sondern emotionaler Stress, insbesondere in hochdramatischen Spielsituationen wie Verlängerungen oder Elfmeterschießen.

Aktuelle Untersuchungen bestätigen diese Zusammenhänge auch bei weiteren internationalen Turnieren. Der starke emotionale Druck aktiviert das sympathische Nervensystem, erhöht die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol und kann Blutdruck sowie Herzfrequenz massiv ansteigen lassen. Gleichzeitig fördern Stressreaktionen Entzündungsprozesse und können bestehende Gefäßablagerungen destabilisieren. Für Personen mit unentdeckten oder bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen entsteht dadurch innerhalb kurzer Zeit ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte oder lebensbedrohliche Arrhythmien.

Hinzu kommen klassische Risikofaktoren, die während großer Fußballereignisse oft verstärkt auftreten: Alkoholkonsum, Schlafmangel, Rauchen, schwere Mahlzeiten und langes Sitzen vor Bildschirmen. Mediziner weisen deshalb zunehmend darauf hin, dass Fußballspiele, insbesondere bei emotional stark involvierten Fans, als ernstzunehmende Belastung für das Herz verstanden werden müssen. Prävention, Aufklärung und die Sensibilisierung gefährdeter Gruppen könnten während der WM 2026 daher wichtiger werden als je zuvor.

QuellenWilbert-Lampen, Ute, et al. “Cardiovascular Events during World Cup Soccer.” The New England Journal of Medicine, 2008.
Wang, Hao, et al. “Associations of Cardiovascular Disease Morbidity and Mortality in Major Football Tournaments.” Medicine, 2020.
Abed Alah, Muna T., et al. “Healthy Minds for Healthy Hearts.” Vascular Health and Risk Management, 2022.
“Warum Fußballgucken zu Herzproblemen führen kann.” Apotheken Umschau, 2024.