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Eine Impfung gegen Gürtelrose – und vielleicht auch gegen Demenz?

Die Gürtelrose-Impfung soll in erster Linie vor Herpes Zoster und möglichen Folgeerkrankungen schützen. Doch eine in Nature veröffentlichte Studie liefert Hinweise auf einen zusätzlichen Effekt, der weit darüber hinausgehen könnte: Geimpfte Menschen entwickelten in den folgenden Jahren seltener eine Demenz. Für die Analyse nutzten die Forschenden eine Besonderheit des walisischen Impfprogramms, durch die sich zwei nahezu gleich alte Bevölkerungsgruppen vergleichen ließen – mit einem entscheidenden Unterschied: Die einen waren aufgrund ihres Geburtsdatums für die Impfung zugelassen, die anderen knapp nicht.

Genau dieses natürliche Experiment macht die Arbeit besonders interessant. Menschen, die nur wenige Tage oder Wochen auseinander geboren wurden, unterscheiden sich normalerweise kaum systematisch in Lebensstil oder Gesundheitszustand. Die Impfberechtigung änderte sich an einem festen Stichtag jedoch abrupt. Über einen Beobachtungszeitraum von sieben Jahren zeigte sich: Die Herpes-zoster-Impfung war mit einer um 3,5 Prozentpunkte geringeren Wahrscheinlichkeit für eine neue Demenzdiagnose verbunden. Relativ betrachtet entsprach das einer Reduktion um rund 20 Prozent. Der Effekt fiel bei Frauen stärker aus als bei Männern.

Warum eine Impfung gegen Gürtelrose überhaupt etwas mit Demenz zu tun haben könnte, ist bislang nicht geklärt. Das Varizella-Zoster-Virus gehört zu den neurotropen Herpesviren und verbleibt nach einer Infektion lebenslang im Körper. Diskutiert wird unter anderem, ob wiederkehrende Virusaktivierungen Entzündungsprozesse oder Gefäßveränderungen fördern könnten, die langfristig auch für neurodegenerative Erkrankungen relevant sind. Ebenso denkbar sind zusätzliche immunologische Effekte der Impfung. Die Studie kann diese Mechanismen jedoch nicht unterscheiden. Zudem wurde in Wales ein Lebendimpfstoff eingesetzt, sodass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Impfstoffe übertragen lassen.

Aus der Gürtelrose-Impfung wird damit noch keine Demenz-Impfung. Die Ergebnisse liefern aber einen ungewöhnlich starken Hinweis darauf, dass Infektionen, Immunabwehr und neurodegenerative Erkrankungen enger miteinander verbunden sein könnten als lange angenommen. Ob sich der beobachtete Effekt bestätigen lässt und welche biologischen Mechanismen dahinterstecken, müssen weitere Studien zeigen.

Quelle: Eyting M, Xie M, Michalik F, et al. A natural experiment on the effect of herpes zoster vaccination on dementia. Nature. 2025;641:438–446. doi:10.1038/s41586-025-08800-x.
Bild: Adobe Stock/Prostock-Studio