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24-Std-EKG: Geringe Aussagekraft bei der Suche nach Vorhofflimmern

Okkultes Vorhofflimmern (VHF) kann die Ursache eines ischämischen Apoplex sein und eine relevante Morbidität und Mortalität verursachen. Der Nachweis bzw. die definitive Diagnose von VHF nach einem Insult stellt in der hausärztlichen Versorgung oft eine Herausforderung dar. Dass ein ambulantes 24-Stunden-EKG dabei keine besonders gute Wahl darstellt, zeigte nun eine Studie aus Israel – und wies zugleich besondere VHF-Risikofaktoren nach und präsentierte eine diagnostische Alternative.

Im Rahmen der retrospektiven Querschnitt-Studie wurden Daten aus der hausärztlichen Routineversorgung ausgewertet. Man schloss über 5.000 Patienten ein, die mindestens 50 Jahre alt waren und einen ischämischen Schlaganfall oder ein zerebrovaskuläres Ereignis erlitten hatten, als dessen Ursache okkultes Vorhofflimmern angenommen wurde. In den sechs auf das initiale Ereignis folgenden Monaten hatte jeder Patient ein ambulantes 24-Stunden-EKG erhalten. Zudem wurden weitere klinische Risikofaktoren ausgewertet.

Bei insgesamt 66 Patienten (1,3%) wurde im 24-Stunden-EKG Vorhofflimmern oder -flattern detektiert. Daraus berechnete sich eine „number needed to screen“ von 88,5. Im Vergleich zu Patienten, bei denen kein VHF gefunden wurde, waren die mit Vorhofflimmern signifikant älter (75 versus 70 Jahre) und wiesen signifikant häufiger eine Hypertonie (80 vs. 67%) oder eine chronische Nierenerkrankung (71 vs. 44%) auf.

Quelle: Liran O et al. Eur J Gen Pract 2021; 27: 152-57

Conclusio: Ein ambulantes 24-Stunden-EKG weist eine ziemlich geringe Detektionsrate für okkultes Vorhofflimmern auf, wenn es bei Patienten nach einem ischämischen Apoplex oder zerebrovaskulären Ereignis zur Ursachensuche eingesetzt wird. Bei Patienten mit höherem Alter, Hypertonie oder chronischer Nierenerkrankung stellt das 24-Stunden-EKG eine bessere Option dar als bei Patienten ohne diese Komorbidität. Es bedarf also besonders bei den „gesünderen“ VHF-Patienten einer diagnostischen Alternative bzw. Ergänzung. Smartwatches mit EKG-Funktion bzw. andere „wearable devices“ könnten laut der Autoren so eine Alternative darstellen. Sie seien günstig, weit verbreitet und in einer Studie wurde für die klugen Uhren nach kryptogenem Apoplex eine Detektionsrate für okkultes VHF von 13,3% gezeigt. Die gesamte Evidenz, so die Autoren, sei mittlerweile ausreichend, um Smartwatches für einen längeren Zeitraum nach Schlaganfall klar zu empfehlen. Besonders wertvoll ist diese Studie für das ambulante Setting, da Patienten, bei denen anamnestisch vor dem Initial-Event bereits einmal VHF diagnostiziert worden war, ausgeschlossen wurden. (ma)

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